Profitabel nur mit Eigenverbrauch? Die Bedeutung des Eigenverbrauchanteils für die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage

Wirtschaftlich nur mit Eigenverbrauch?

Sie wissen, was Sie eine PV-Anlage etwa kosten wird und welchen Ertrag sie erwarten können? Sie kennen auch Ihren Stromverbrauch. Trotzdem kann keiner sagen, welchen Anteil Ihres Solarstroms Sie ins Netz einspeisen und welchen Anteil selbst verbrauchen werden? Somit wissen Sie nicht, ob sich Ihre Investition lohnen wird. So wie Ihnen geht es vielen.

Solaranlage Eigenverbrauch

Der Eigenverbrauchsanteil ist oft entscheidend für die Wirtschaftlichkeit einer Investition. Eine kleine Photovoltaikanlage ganz ohne Eigenverbrauch wirtschaftlich zu betreiben ist – durch die stetig fallende Einspeisevergütung und die aktuelle Preisentwicklung bei den Photovoltaik-Komponenten – schwieriger geworden.

Anfang 2021 konnte man noch guten Gewissens die Aussage treffen, dass die meisten kleinen Anlagen selbst ohne Eigenverbrauch noch eine (kleine) positive Rendite erzielen können (wie z.B. hier). Das kann man heute leider nicht mehr so stehen lassen. Bei größeren oder sehr günstigen Anlagen und/oder sehr guter Ausrichtung an einem guten Standort ist das nach wie vor möglich. In vielen Fällen jedoch wird man für einen wirtschaftlichen Betrieb wenigstens einen kleinen Eigenverbrauchsanteil benötigen.

Wie hoch dieser sein kann, ist allerdings meist schwierig zu ermitteln weil er von vielen Faktoren abhängt.

Noch relativ einfach zu beantworten:

  • Wie hoch ist der Stromverbrauch?
  • Wie hoch ist der prognostizierte Ertrag der Solarstromanlage?
  • Wie sieht die Ertragskurve der Solarstromanlage aus (ergibt sich aus dem Standort und der Ausrichtung der Solarmodule)
Schwieriger wird es hier:
    • Wie verteilt sich der Stromverbrauch über den Tag (Lastkurve)?
    • Wie sind die saisonalen Unterschiede im Stromverbrauch? Gibt es bspw. eine Klimaanlage (mehr Verbrauch im Sommer) oder wird Warmwasser über Strom erzeugt (mehr Verbrauch im Winter)?
    • Gibt es Verbraucher, die flexibel laufen können, wenn gerade die Sonne scheint?
    • Wird zuhause ein Elektroauto geladen oder ist das für die Zukunft geplant? Mit welcher Leistung kann dieses Laden? Wie groß ist die Batterie? Zu welchen Uhrzeiten könnte diese geladen werden?
    • Ist ein Speichersystem vorgesehen und falls ja: Soll dieses eher zur Eigenverbrauchsoptimierung oder für eine Ersatzstromversorgung im Fall eines Stromausfalls dienen?

Ein guter Solateur oder Berater kann diese Punkte in seinen Berechnungen größtenteils berücksichtigen und wird, mithilfe von Standard-Lastkurven, zu einer realistischen Einschätzung kommen.

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2 fiktive Beispiele

An dieser Stelle möchte ich das mal anhand zweier Beispiele abbilden. In beiden Fällen wird die gleiche PV-Anlage installiert. Der jährliche Stromverbrauch ist ebenfalls gleich. Es unterscheiden sich nur die Zeiten zu denen Strom verbraucht wird, also die „Lastkurven“:

Beispiel 1: 2-Personen-Haushalt

  • Haushalt aus 2 erw. Personen und 1 Kind
  • Verbrauch tagsüber niedrig, abends ansteigend
  • Wochenende erhöhter Verbrauch über Tag

Beispiel 2: Gewerbe

  • Gewerbe werktags 8-18 Uhr
  • Verbrauch über den ganzen Tag verteilt
  • Wochenende niedriger Verbrauch

Die PV-Anlage

Für die PV-Anlage gelten folgende Annahmen:

  • Standort Hamburg
  • Ausrichtung 50°W (SSW)
  • Dachneigung 45°

Es geht also definitiv besser (aber auch schlechter).

  • Anlagenleistung: 8 kWp
  • Anlagenertrag: 7593 kWh/a
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Erzeugung und Eigenverbrauch im Jahresverlauf
Erzeugung und Eigenverbrauch im Jahresverlauf

Eigenverbrauchoptimiert auslegen?

Bedeutet das jetzt, dass eine PV-Anlage zuallererst auf den Eigenverbrauchsanteil ausgelegt werden sollte?

Bedingt. Da bei kleinen Anlagen der spezifische Anlagenpreis steigt, wird in vielen Fällen die vollständige Ausnutzung der vorhandenen (guten) Flächen auch am wirtschaftlichsten sein, auch wenn mit der Größe der PV-Anlage der Eigenverbrauchsanteil sinkt – aber eben auch die Stromgestehungskosten der selbst erzeugten kWh.

Würde der obige 2-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4000 kWh überlegen, ob 4, 6, oder 8 kWp installiert werden sollen, ergäbe sich folgendes Bild:

In unserem Beispiel würden also die kleineren Anlagen tatsächlich etwas besser abschneiden.

Aber: eben nur etwas.

Und: Wir blicken auf die Eigenkapitalrendite in Prozent. In absoluten Zahlen wird die große Anlage besser abschneiden (5% von einem größeren Investment sind eben mehr als 5,5 oder 6,1% von einem kleineren Betrag). Konkret: Der erwirtschaftete Überschuss der PV-Anlage läge für die 4kW-Variante bei ca. 3830€, für die 6-kW-Variante bei 4670€ und für die 8-kW-Variante bei 5100€.

Dazu kommt: Bereits kleine Änderungen können hier alles verschieben. Sollte der Stromverbrauch sich in Zukunft erhöhen, sei es durch die Installation einer Wärmepumpe, die Anschaffung eines Elektroautos oder die Geburt eines Kindes, verschiebt sich das Bild zugunsten der größeren Anlage. Werden Optimierungen vorgenommen, bspw. Waschmaschine und Trockner vorzugsweise bei Tageslicht betrieben oder sogar ein Speichersystem installiert, verschiebt sich die Rechnung ebenso zugunsten der größeren Anlage.

Am Ende kommt es aber auch hier, wie so oft, auf den konkreten Einzelfall an.

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Dirk Balzer

    Hallo, mir ist ihr Beispiel noch nicht ganz einleuchtend. Warum verschiebt sich alles zugunsten einer größeren Anlage, die auch höhere Investmentkosten bedingt) egal was passiert – ob der Verbrauch insgesamt steigt oder der Verbrauch durch Optimierungsmaßnahmen sinkt. Können Sie das mir als Laien bitte noch einmal einfach erklären?

    1. benheiss

      Moin und danke für Ihre Frage. Ich bin mir allerdings etwas unsicher, ob ich sie richtig verstanden habe.

      Grundsätzlich vorab: Es hängt immer vom konkreten Einzelfall ab. Ich habe lediglich ein paar Beispiele durchgerechnet und versucht, diese so realistisch wie möglich zu gestalten.

      Ein sinkender Verbrauch wird sich nicht zugunsten der größeren Anlage auswirken. Zugunsten der größeren Anlage wird sich nur ein steigender Verbrauch auswirken. Wobei klar sein muss, dass es an dieser Stelle nur um die Wirtschaftlichkeit der Investition „PV-Anlage“ geht. (Selbstverständlich wird insgesamt ein kleinerer Stromverbrauch für den Haushalt trotzdem wirtschaftlicher sein.)
      Genau genommen kommt es aber nur auf den Verbrauch zu den Zeiten an, zu denen die PV-Anlage auch Strom liefert. Was sich also – bei insgesamt gleichbleibendem jährlichem Stromverbrauch – außerdem positiv auswirken kann, sind Optimierungen, die die Lastkurve verschieben: Mehr Stromverbrauch am Tag, weniger in der Nacht. Das kann ein Speicher übernehmen, der dann einspeichert wenn die Sonne scheint und bspw. in den Abendstunden wieder entladen wird. Der Speicher verursacht nur leider zusätliche Kosten, die meist über diesen Vorteil nicht wieder herein geholt werden können. Andere Optimierungen können sein, bspw. die Waschmaschine, Spülmaschine etc. um die Mittagszeit laufen zu lassen oder das Elektroauto zu laden wenn die Sonne scheint.
      Im Vergleich mit der kleineren Anlage kann das z.B. bedeuten, dass ein solches Verhalten an bestimmten Tagen im Jahr aus der kleineren PV-Anlage nicht mehr bedient werden kann, während die größere Anlage noch ausreichend Energie bereitstellt.

      Schreiben Sie gern nochmal falls ich an der eigentlichen Frage vorbei geantwortet haben sollte.

      Beste Grüße

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